Wochenlang hatte ich mich über unsere Küche geärgert: Das Regal mit den Kochbüchern war ein einziges Chaos, die Entnahme eines Rührbesens aus der Schublade hätte auch zum Mikado spielen genutzt werden können und das Öffnen des Schrankes mit den Backzutaten und Gewürzen war ohne Buschmesser nicht zu empfehlen. Irgendwann lies sich das Unvermeidliche nicht mehr herauszögern, und so nutzte ich einen freien Vormittag zum Aufräumen. Ich sortierte um, entrümpelte und schaffte so  ein Umfeld, in dem es wieder Spaß macht Essen zuzubereiten

Ordnung zu halten, so nervig & mühsam es auch manchmal ist, lohnt sich immer. Mehr noch, als für unsere Wohnungen, ist es jedoch von Bedeutung im eigenen Leben Ordnung zu halten. Im besten Fall hat man sich da über die Jahre eine Routine zugelegt, sodass die eigentliche Arbeit kaum noch im Alltag auffällt, dafür die schöne Umgebung ein stetiger Quell an Freude & Zufriedenheit ist. Manchmal lohnt es sich aber auch dann genauer hinzuschauen, um die ein oder andere unnötige Angewohnheit der Entsorgung zuzuführen. In den folgenden Zeilen erzähle ich euch, welche Verhaltensweisen & Gedanken bei mir den Weg auf den Müll gefunden haben.

1. Sätze & Gedanken die die Worte „man müsste Mal“ oder „irgendwann“ enthalten. Bringen dich kein bisschen weiter – weg damit.

„Man müsste mal wieder XZY einladen.“  Weg damit. Möchte ich Zeit mit einer Person verbringen? Ja – dann überlege ich mir auf der Stelle wann, wo & wie und verabrede mich. Möchte ich es nicht, und entspringt der Gedanke mehr dem schlechten Gewissen oder einem selbstauferlegtem Pflichtgefühl , dann lasse ich es. Meine Zeit ist zu Schade – sowohl um sie mit quälenden Gedanken als auch als Folge daraus einen Nachmittag in Gesellschaft zu verbringen.

Ähnlich verhält es sich mit Sätzen der Art „Irgendwann werde ich … machen.“ Willst du es wirklich gern tun? Finde den passenden Moment und lass dich nicht aufhalten. Dann stell dich an deinem freien Morgen in die Küche und backe den großartigen Kuchen, welchen du neulich gesehen hast. Was spricht dagegen? Und wieso willst du damit warten, bis du vielleicht keine Lust mehr dazu hast? Und umgekehrt: Wenn du diesen Gedanken nur hegst um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder weil du glaubst, dadurch ein besserer Mensch zu werden: Tue dir das auf gar keinen Fall an! Konzentriere dich ganz auf die Dinge, die du Hier & Jetzt tun möchtest, gehe sie an und genieße jede Sekunde die du mit dem verbringst, was dich einfach nur glücklich machen.

2. Mich vor meinem zukünftigen Ich zu rechtfertigen. Wozu soll das gut sein?

Nein, hier geht es jetzt nicht darum ein wenig für sich und sein Leben in der Zukunft zu sorgen. Eine gesunde Ernährung, damit wir unnötige Krankheiten in ein paar Jahren vorbeugen, wenigstens ein paar Münzen sparen, um im Zweifel erst einmal einige Zeit durchzukommen oder sich mit wichtigen Themen wie Familienplanung auseinanderzusetzen – das sollte selbstverständlich sein: Eben weil du dich und dein Leben liebst und niemanden mehr achtest, sind solche Dinge eine Selbstverständlichkeit.

Aber wenn wir mit diesen grundlegenden Dingen fertig sind, gibt es da noch einiges, womit wir uns die Gegenwart versauen können. Bock die Haare in einer ungewöhnlichen Farbe zu färben? Tue es. Ist doch wurscht, ob du es später ganz schrecklich finden wirst. Heute gefällt es dir, und nur das zählt. Und vielleicht magst du es ja auch in 10 Jahren noch. Du willst einen Kurs besuchen? Was hält dich davon ab? Der Gedanke, dass du dich in der Zukunft darüber ärgern wirst, wenn er doch nicht so toll war? Aber in Kauf zu nehmen, es zu bedauern, weil es doch auch riesig Spaß gemacht haben könnte oder der entscheidende Schritt zur beruflichen Veränderung hätte sein können – damit hast du kein Problem?

Und hör bitte in dem Zug auch mit der „zu – alt“ – Geschichte alt. Damit machst du ja gleichzeitig sowohl deine Vergangenheit (weil du nicht früher drauf gekommen bist), die Gegenwart (weil es jetzt zu spät ist) und die Zukunft (weil du es in der noch mehr bereuen wirst) für dein Unglück verantwortlich. Wenn dir heute klar wird, dass du doch lieber einen ganz anderen Lebensstil führen würdest, dich in einem anderem Job ausprobieren magst, dir ein anderer Kleidungsstil vorschwebt, … . Dann fange an, deine Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Schritt für Schritt oder auch von jetzt auf gleich. Wichtig ist nur, dass du etwas tust.

3. Ich pfeife auf Clean Eating, Kalorien zählen,  LowCarb und Wundernahrungsmittel

Eine neue Woche, ein neuer Ernährungstrend. Was man früher umgehen konnte, indem man einfach die entsprechenden Seiten in der Zeitschrift überblätterte, ist heute, in Zeiten der sozialen Medien und Algorithmen, welche meinen zu wissen, was ich gern auf Instagram zu lesen haben muss, nicht mehr so einfach möglich.

Ich mache da nicht (mehr) mit. Es ist mir komplett egal, ob etwas gesund ist, entwässert, wie viele Kalorien weniger eine Light – Variante hat oder ob ich damit mehr Herzchen bekomme, weil es halt gerade der Trend ist. Essen ist großartig & kann so viel Spaß machen, wenn wir einfach unsere Verstand sprechen lassen. Unser Körper erzählt uns schon von sich aus, was er braucht und jetzt gerade gut für ihn ist. Intuitiv lenkt er mich zu den Dingen die mir gut tun, und teilt mir auch mit, wenn was ich da gerade zu mir nehme nicht so optimal ist oder vielleicht nur als Trost / Ersatz für etwas steht.

Das ich daneben von allein darauf achte, dass die Nahrungsmittel die ich für mich zubereite eine großartige Qualität haben, steht sowieso außer Frage. Warum sollte etwas unter dem in Frage kommen?

4.  Ich vergleiche und bewerte nur noch beim Einkauf

Auch wieder eine Sache, die durch die sozialen Medien noch leichter & ätzender geworden ist. Nun bekommt man nicht mehr nur beim Telefonat mit der Familie zu hören, was der Sohn der Nachbarin alles schon erreicht hat. Wer hat noch nicht heimlich auf den Profilen ehemaliger Klassenkameraden spioniert? Sei es um sich selbst zu beruhigen („Ätsch, arbeitet ja auch nur an ner Kasse.“) oder um noch Mal die Bestätigung zu bekommen, dass man der totale Versager ist und am besten in die Ecke zum schämen gehen sollte. („Wow. Schon seit 2 Jahren fertig mit dem Doktor und nun einen geilen Job.“ oder „Wow, die hat ja ne tolle Familie – und du bist stolz, dass dein Hamster ab und an hört, wenn du ihn beim Namen nennst.“) Und dann sind da noch die ganzen Menschen, die man gar nicht kennt, und die man am Ende vermutlich nicht einmal zu sich nach Hause einladen würde – aber weil sie  der Welt Ausschnitte aus ihrem Leben präsentieren, fühlen wir uns unter Druck gesetzt, vergleichen uns mit dem was wir sehen und sind uns selbst nicht mehr gut genug.

Die Lösung des Übels besteht aber eben nicht zwangsläufig darin, seine Konten überall zu löschen – den dann verpasst man auch all die tollen Inspirationen & entzieht sich der Möglichkeit coole Leute kennen zu lernen. Stattdessen schiebe ich jedem Anflug eines Vergleiches („Oh. Wie toll sie ihre Küche eingerichtet hat. Und du bist stolz darauf, das splitternde Nudelholz entsorgt zu haben“) oder einer Bewertung („Das Essen ist mir aber nicht so gut gelungen. Ich bin halt einfach eine schlechte Köchin-“ ) den Riegel vor. Entweder es ist mir egal, da für meine derzeitige Situation nicht relevant oder ich nutze es zur Motivation / Inspiration. Aber in keinem Fall lasse ich es zu, dass ich mich in meinem Leben nicht mehr wohl fühle und nicht mehr dankbar für die Dinge bin, die ich bisher erreicht habe oder die meine kleine Welt so einzigartig schön machen.

5. Was (oder wer) mir Angst macht, mich unter Druck setzt oder mit die Lust am Leben raubt, kann weg

Als Kind hatte ich ein klares Bild vor meinen Augen, wie ich als Erwachsene leben würde. Dabei hatte ich nie eine konkrete Vorstellung von einem bestimmten Beruf (das wechselte sehr häufig) oder einem bestimmten Ort an dem ich leben wöllte. Ich wollte nur eins: ein glückliches Leben führen.

Ich wollte ein Leben, in dem ich in der Hauptsache Dinge tue, die mir Freude bereiten. Es gäbe keine selbstauferlegten Zwänge in der Art „wenn du in der Prüfung keine 1 vor dem Komma hast, kannst du auch gleich aufhören“. Auf keinem Fall würde ich es einfach zulassen, das es irgendetwas gibt oder irgendjemanden in meinem Leben Platz hat, der mir ein schlechtes Gefühl gibt und mir meine Lebenslust wegnimmt.

Wenn ich auf etwas stolz bin, dann darauf, dass ich nie aufgegeben habe, für dieses Ziel zu kämpfen und irgendwann erfreut feststellte, dass ich es geschafft habe. Hin und wieder schleichen sich aber doch unnötige Ängste ein („du wirst nicht immer in einer so großartigen Beziehung  leben“) oder ich gebe mich mit Menschen ab, deren Freude im Leben darin besteht, anderen ihr Glück kaputt zu reden.

Da ich kein Computer bin, kann man diese Schadsoftware nicht einfach löschen. Aber je aufmerksamer ich bin und je mehr ich auf die nötige Grundordnung in meinem Leben achte, umso schneller fallen mir diese negativen Einflüsse auf. Dann liegt es an mir, sie zu entsorgen.

Aufräumen, ob zu Hause oder in uns selbst, ist nicht immer eine witzige Aufgabe. Manchmal hat man halt einfach keine Lust und der ganze Quatsch bleibt einen Tag länger liegen. Aber es lohnt sich, sich trotzdem immer wieder vor Augen zu führen, wie schön es sein wird, wenn man die lästigen Aufgaben angegangen ist. Wie viel angenehmer & schöner der Alltag wird – und wie viele Möglichkeiten einem der gewonnene Freiraum bietet.

Habt einen wunderschönen Tag.

Alles Liebe

Janine